Bitcoin steht kurz davor, 2025 mit dem ersten jährlichen Rückgang seit 2022 abzuschließen, angetrieben durch eine Kombination aus makroökonomischen Gegenwinden und einer veränderten Risikobereitschaft der Investoren. Nachdem es Anfang Oktober ein Allzeithoch von über 126.000 USD erreicht hatte, erfuhr die weltweit größte Kryptowährung Druck nach Ankündigungen der USA zu Zöllen und Exportkontrollen, die zu Liquidationen von über 19 Milliarden USD in gehebelten Positionen führten. Diese schnelle Abbau von Risikoneigung unterstrich Bitcoins zunehmende Empfindlichkeit gegenüber traditionellen Finanzmarktdynamiken.
Das Jahr begann stark, da die Wahl einer kryptofreundlichen US-Administration die Stimmung in der Branche hob. Erwartung klarerer bundesstaatlicher Rahmenbedingungen für an den Dollar gebundene Stablecoins und die Abweisung bedeutender Klagen der SEC gegen Börsen wie Coinbase und Binance schürten die Nachfrage bei institutionellen und privaten Teilnehmern. Strategische Portfolioallokationen verschoben sich deutlich in Richtung digitaler Vermögenswerte, wobei On-Chain-Daten Rekordzuflüsse in Spot-ETFs anzeigten. Langfristige Inhaber erweiterten ihren Anteil am Gesamtangebot, was Vertrauen in die sich entwickelnde Rolle des Vermögenswerts als Wertspeicher signalisierte.
Jedoch zeigten sich bis Mitte des Jahres Strukturlücken im Markt. Die erhöhte Volatilität an den Aktienmärkten und Spannungen in der Handelspolitik führten dazu, dass die Korrelationen zwischen Bitcoin und großen Aktienindizes zunahmen, wodurch seine Diversifikationsvorteile schmolzen. Der dramatische Umschwung im Oktober trat ein, als gehebelte Derivate-Desks rasch Positionen reduzierten, was eine Abfolge erzwungener Liquidationen auslöste. Diese Episode verdeutlichte die Fragilität hoch gehebelter Märkte und die eingeschränkte Tragfähigkeit der Kaufunterstützung bei starken Abverkäufen.
In der Folge bewegte sich Bitcoin in einem sich hinziehenden Abwärtstrend, konnte die wichtigen technischen Schwellenwerte bei 105.000 USD bzw. 100.000 USD nicht zurückerobern. Sentimentindikatoren wanderten von „Gier“ zu „Angst“, was eine erhöhte Vorsicht vor den Zinsentscheidungen der US-Notenbank und der aufkommenden Regulierungsagenda für 2026 widerspiegelt. Während das On-Chain-Open-Interest im Vergleich zu historischen Normen hoch bleibt, sind die Funding-Raten bei perpetuellen Futures negativ geworden, was auf eine bärische Stimmung unter Margin-Händlern hindeutet.
Mit Blick auf 2026 rechnen Marktteilnehmer mit neuen Katalysatoren, um Momentum wieder anzukurbeln. Vorschläge für eine nationale strategische Bitcoin-Reserve und potenzielle Gesetzgebung zur Marktstruktur für Spot-ETFs könnten die Liquiditätsströme neu gestalten. Zugleich könnten technologische Upgrades auf großen Blockchains und zunehmende institutionelle Akzeptanz das erneute Interesse unterstützen. Doch das Gleichgewicht zwischen regulatorischer Klarheit und makroökonomischer Unsicherheit wird bestimmen, ob Bitcoin seinen jüngsten Status als Risikoproxy beibehalten oder stärker an breitere Finanzmarktdynamiken gebunden bleiben wird.
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